Sonntag, 20. Juli 2025, Zyklustag 28.
Hätte mir vor 1,5 Jahren jemand gesagt, dass ich mit 30 immer noch kein Kind habe oder schwanger bin, hätte ich vermutlich durch ein hämisches Lachen meine aufsteigende Panik überspielt. Ich war ja eine von diesen Frauen, die einen klaren Plan für ihr Leben hatten und dieser beinhaltete eben, dass ich mit Anfang 30 glückliche Mutter bin. Na klar.
„Bei uns wird sicher alles wie geschmiert laufen“ und „Bestimmt werden wir keins dieser verzweifelten Paare, die es eine Ewigkeit auf unterschiedlichen Wegen versuchen müssen“ schwirrte es mir noch im November 2023 vor unserer ersten Insemination durch den Kopf.
Heute, über 1,5 Jahre später, warte ich auf das Einsetzen meiner Periode, um den nächsten Behandlungszyklus starten zu können. Es ist erst Versuch Nr. 4 und ich ersticke bereits in regelmäßigen Abständen in Selbstzweifeln und Hoffnungslosigkeit, ob mein Traum eines leiblichen Kindes jemals in Erfüllung gehen wird. Schon nach Versuch Nr. 2, der in einer sehr frühen Fehlgeburt endete, brauchte ich fast 1 Jahr Pause, um neuen Mut zu fassen. Bin ich zu emotional für diese Reise? Zu schwach? Dabei war es doch absehbar, dass wir als gleichgeschlechtliches Ehepaar einen steinigeren Weg zum ersten Kind gehen müssen.
Ich weiß nicht, woher der grenzenlose Optimismus im Jahr 2023 gekommen ist und noch weniger weiß ich, wie ich ihn zurückfinde. Ich weiß nur, dass es euch da draußen gibt. Frauen, denen es genauso geht. Frauen, die im Alltag damit kämpfen, nicht an ihren unzähmbaren Selbstzweifeln, ihrer Hoffnungslosigkeit und Verzweiflung zu ersticken. Frauen, die jeden Tag ein Lächeln aufsetzen und zur Arbeit gehen als wäre nichts, obwohl innerlich ein Sturm an Emotionen tobt. Frauen, die von ihrem Umfeld nur schwer verstanden werden und sich Verbundenheit in dieser anstrengenden Zeit wünschen.
Ich sehe euch. Ich fühle all die Frustration, Ängste und den Neid, den ihr spürt.
Mit diesem Blog möchte ich eine Plattform für uns schaffen. Eine Plattform zum Austauschen, zum Auskotzen, zum Ausheulen und zum Mut machen. Es wird nach wie vor viel zu wenig über das Thema ungewollte Kinderlosigkeit in unserer Gesellschaft gesprochen. Dabei können daran Freundschaften, Beziehungen und die Psyche zerbrechen. Das hier ist ein Safe Space. Ein sicherer Platz für alle – egal, wie weit ihr in diesem Prozess seid, ob in medizinischer Behandlung oder nicht, ob heterosexuell oder nicht.

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